(Dieser Artikel wurde aus einem Facebookbeitrag erstellt)

Loslassen – ich bin wahnsinnig gut darin, und auf der anderen Seite verdammt schlecht. Ich kann Kontakte ziemlich schnell abbrechen, wenn ich merke, dass sie mir nicht gut tun. Das gleiche gilt für Berufe oder Verhaltensmuster. Ich kann Gefühle zur Seite legen, wenn sie zu einem ungünstigen Zeitpunkt kommen oder mich hindern. Man kann also in gewisser Hinsicht sagen, ich habe gelernt, mein Herz zu schließen. Während das eigentlich relativ negativ klingt, empfinde ich das gar nicht so. Mein Herz ist wie ein Kind. Man muss es schützen, wenn Gefahr droht und man muss es pflegen. Lieben. Gut darauf acht geben. Sonst hört es auf zu lachen, zu spielen und zu leben. Es wird stumm.Auf der anderen Seite fällt es mir schwer, Sicherheit aufzugeben. Es spielen sich immer wieder große Worst-Case-Szenarien in mir ab, die dafür sorgen, dass ich doch lieber ein bisschen länger verweile, als ich sollte. Mein Herz, das am liebsten alles loslassen und frei leben würde, befindet sich also im ständigen Kampf mit dem Kopf, der sich an die Sicherheit des Ufers krallt.
[pullquote width=“300″ float=“left“]“Trust the wait. Enjoy the uncertainty. Enjoy the beauty of becoming. When nothing is certain, anything is possible.“[/pullquote]
Ich bin heute morgen mal wieder viel zu früh aufgewacht. Das passiert mir öfter in letzter Zeit. Mein Herz schreit und ich kann nichts tun, als ihm dabei zu zu sehen. Mein Kopf sagt nämlich: Sei geduldig, das Leben ändert sich nicht über Nacht. Besonders schwer fällt es mir, auf der Stelle zu verweilen, wenn ich weiß, dass Wunschprojekte langsam Form annehmen. Aber die Umsetzung noch so lange dauert.
Anstatt mich an den Computer zu setzen und stumm meinen Tagesablauf abzuarbeiten, bin ich heute raus gegangen. Als ich die ersten Schritte in die -3° Kälte gemacht habe, dachte ich nur noch: Was zum Teufel hast du dir dabei gedacht?
Das interessante dabei ist, dass die Natur wie ein Lehrmeister für mich ist. Während mein Herz einfach nicht auf den Kopf hören will (und ihm teilweise sogar die Zunge rausstreckt), nickt es zustimmend, wenn die Natur in vielsagender Stille ihre Weisheiten mit uns teilt.
So standen mein Herz und mein Kopf – also irgendwie mein chaotisches Ich – lange am Ufer des Flusses, den ich schon seit 25 Jahren besuche. Ich werde nie müde, ihn beim Fließen zu beobachten. Besonders morgens nicht, wenn der Nebel auf seiner Oberfläche tanzt.
In meinem Hinterkopf spielte sich plötzlich die Musik von Pocahontas „Just around the riverbend“ ab und ja, zugegeben, das ist ziemlich merkwürdig. Aber auch irgendwie passend. Zwar würde ich jetzt lieber an einem viel wärmeren Fluss stehen (und so schöne Haare wie Pocahontas haben) und schon einen Schritt weiter in meinem Leben sein, aber ich bekomme immer mehr das Gefühl, als sollte ich diese Ruhe vor dem Sturm genießen, da sie bald nicht mehr wiederkommen wird. Hoffentlich.

Wer sich jetzt auch den Disney-Ohrwurm einpflanzen möchte:

 

Als ich mich für meinen letzten langen Text entschuldigt und versprochen habe, dass ich versuche, dies zukünftig einzuschränken, habt ihr alle empört aufgeschrien. Das ist meine Antwort, das habt ihr jetzt davon :) . Zukünftig gibt’s wieder mehr von mir – also meinem chaotischen Ich. Ich bin nämlich nicht nur Pferdefotografin, sondern irgendwie auch Mensch.

Liebste Grüße,
deine

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Written by Carina Maiwald
Carina hat vor einiger Zeit ihr Herz verloren. Erst an Pferde, dann an die Fotografie. Ihre dritte Leidenschaft, das Reisen, fügt alles zu ihrer persönlichen Definition eines selbstbestimmten Leben zusammen. Ihre Fotografien sind preisgekrönt und erscheinen international in verschiedenen Medien, u.a. National Geographic und CNN. Im Jahr 2016 wurde sie gleich Zwei mal unter die "Top 10 Pferdefotografen weltweit" gewählt. Auf diesem Blog teilt Carina nicht nur ihre Texte und Fotos - sondern vor allem ihre Erfahrungen und Gedanken. Eine ausführliche Beschreibung findest du hier auf der "Über Carina"-Seite.