Ich habe es euch versprochen: Ein Vorher-Nachher Vergleich zu „Magical Touch„. Normalerweise überlege ich immer bevor ich zur Kamera greife, was ich eigentlich fotografieren bzw. darstellen möchte. Das gehört zu meinen Grundprinzipien, nicht einfach drauf zu halten. Hier konnte ich meinen eigenen Regeln nicht ganz treu bleiben, habe aber das Beste draus gemacht.Als ich das Bild nämlich vor einem Jahr erstellt habe, war mein Hintergedanke nicht, mal ein Einhorn draus zu machen. Sonst hätte ich sicherlich noch einige Details im Voraus beachtet. Das Ganze hat mich nun aber gereizt, da ich mich an fertigen Shooting Resultaten nochmal ganz neu austoben konnte. Deshalb suche ich auch nur bereits abgeschlossene Projektarbeiten aus und erstelle die „Tale of the Month“-Bilder nicht von grundauf neu. Hier musste ich mir nun folgende Frage stellen: Wie fügt sich das Bild optimal in mein Märchen ein? Schauen wir uns das ganze doch mal genauer an.

Step 1: Originalbild
 Als das Bild entstanden ist, wusste ich bereits, dass es etwas geheimnisvoller sein sollte. Allerdings war mein Gedanke beim Fotografieren nicht, etwas Mystisches oder Dunkles zu erschaffen. Ganz im Gegenteil, ich wollte ein warmes und farbstarkes Bild. Ich wollte mich an den kräftigen Herbstfarben austoben, die der wunderbare Wald uns zur Mittagszeit geschenkt hat. Das herbstliche Feeling wurde mit etwas Rauch verstärkt, der an Nebel erinnern sollte. Das oben stehende Bild wurde von mir nur durch den RAW-Converter gejagt und ist damit noch relativ roh. Viel zu oft wurde ich bei der dazu gehörigen Serie darauf angesprochen, ob ich dem PRE Curiuso nicht mal ein Horn aufsetzen könnte. Daher stand es für mich ziemlich schnell fest, dass nun endlich die Zeit dafür gekommen war.

Step 2: Bereinigen, Retusche, die richtige Farbe finden
 Das Grundprinzip steht schon mal. Dennoch gibt es da für mich eine große Problematik: Ich mag Kitsch, aber nur wohl dosiert. Deshalb habe ich obwohl ich schon seit Jahren Pferde fotografiere, nie gewollt ein Einhorn in Szene gesetzt. Hätte ich dieses Bild wie die anderen Fotos der Serie bearbeitet (das Rot verstärkt, ein bisschen mehr Gegenlichtcharakter) und würde dann auch noch ein strahlendes Horn auf den schneeweißen Schimmel packen – meine Augen würden wohl in Regenbogenfarben explodieren. Mit dem strahlenden Fabelwesen im Gegenlicht, das in tausend Farbvarianten glitzert konnte ich noch nie etwas anfangen. Mit dieser Erkenntnis zur Stimmungswahl habe ich mir keinen Gefallen getan, denn aus sonnigem Mittagslicht musste ich „mal eben“ eine dunkle Herbstdämmerung erschaffen. Generell habe ich in letzter Zeit aber festgestellt, dass ich dunkle obgleich farbstarke Bilder sehr gerne mag.

Step 3: Komm auf die dunkle Seite!
Finale! Letztendlich ist ein Bild entstanden, was mich nicht an die typischen Einhornbilder erinnert, sondern etwas dunkler aber auch tiefer geht. Leider habe ich mir keine Uhr gestellt, als ich die Retusche angefangen habe. Das werde ich nächste Mal definitiv tun. Jedoch finde ich es auch schwierig, euch als Maßstab eine Zeit zu geben, in der ich selbst auch ausprobiere und Elemente teste, die ich nachher aber vielleicht gar nicht im finalen Bild umgesetzt habe. Die vollständige und aktive Erstellung dieses Bildes (ohne Rumprobieren und Unentschlossenheiten) hat geschätzte 6 Stunden gedauert.
Wer die Geschichte, die zu diesem Bild gehört lesen möchte, kann dies hier tun. Ich habe mein Märchen mitten im Absatz abgebrochen und euch dafür die Fortsetzung schreiben lassen. Viele kreative Vorschläge habe mich für die Verlosung eines Fine Art Prints erreicht und ich habe eine ganze Besondere zum Gewinner gekürt. Die Fortsetzung kann auch im Hauptbeitrag nachgelesen werden und ist übrigens auch ausschlaggebend für mein nächstes Tale of the Month Bild.
Als Kind habe ich den Film „Das letzte Einhorn“ geliebt, vielleicht gerade deshalb, weil er nicht all zu kitschig ist und in vielen kühlen Tönen gezeichnet wurde. Ich habe krampfhaft versucht, mein Empfinden an den Film in dieses Bild zu packen und es auch in bläulichen Farben zu gestalten. Letztendlich musste ich aber davon abrücken. Manchmal muss man sich eingestehen, wenn etwas einfach nicht im Konzept funktioniert. Umso froher bin ich darüber, genau das erkannt zu haben, da ich mich mittlerweile richtig in die finale Farbwahl verliebt habe.

Falls ihr Fragen zur Erstellung oder Bearbeitung des Bildes habt, dürft ihr sie gerne in die Kommentare schreiben.

Liebste Grüße,
deine

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Written by Carina Maiwald
Carina hat vor einiger Zeit ihr Herz verloren. Erst an Pferde, dann an die Fotografie. Ihre dritte Leidenschaft, das Reisen, fügt alles zu ihrer persönlichen Definition eines selbstbestimmten Leben zusammen. Ihre Fotografien sind preisgekrönt und erscheinen international in verschiedenen Medien, u.a. National Geographic und CNN. Im Jahr 2016 wurde sie gleich Zwei mal unter die "Top 10 Pferdefotografen weltweit" gewählt. Auf diesem Blog teilt Carina nicht nur ihre Texte und Fotos - sondern vor allem ihre Erfahrungen und Gedanken. Eine ausführliche Beschreibung findest du hier auf der "Über Carina"-Seite.