Es ist Sonntag. Zeit, den Wecker nicht ganz so früh zu stellen oder gleich mal ganz auszuschalten. Zeit, sich einen Tee, Kaffee oder heißen Kakao zu nehmen, sich damit auf die Couch zu setzen und die Gedanken kreisen zu lassen. Das ich sowas gemacht habe, ist lange her. So richtig abschalten, ohne das Gefühl zu haben, etwas liegen zu lassen. Jetzt gönn ich mir das, weil ich befürchte, das ich dafür bald nicht mehr allzu viel Zeit habe. Aber weißt du was? Das ist gar nicht schlimm.

Das können nur Fotografen verstehen: Ich fühle mich unvollständig. Meine Kamera ist beim Check & Clean, um sie auf das ereignisreiche Jahr vorzubereiten. Ich hatte nie großartig Angst, das bei einem Auftrag irgendwas passieren könnte. Bis zum letzten Jahr besaß ich zum Beispiel auch nur eine einzige Kamera. Diese ist mittlerweile mein Back-Up, falls doch mal was passiert – nur um sicher zu gehen. Früher hätte ich an sowas gar nicht gedacht. In den letzten Wochen hat sich aber allerlei Angst eingeschlichen. Eine davon betrifft die Technik und das sie auf einen meiner Reisen versagen könnte. Vielleicht liegt es auch daran, da mir fast jede andere Elektronik in den letzten Monaten den Krieg erklärt hat (Willkommen in der Matrix?). So viel dazu – ich hoffe, dass ich meine Kleine bald wieder in den Armen halten und neue Abenteuer mit ihr erleben kann.
Diese Abenteuer lassen meinen Kalender für dieses Jahr ziemlich voll aussehen. Insgesamt schicken mich Workshops quer durch Deutschland: von Norddeutschland bis nach München und sogar darüber hinaus nach Österreich und Belgien. Nicht zu vergessen die Fotoreise nach Menorca, die wegen der anhaltenden Nachfrage bald einen Zusatztermin erhält. Aber ich bin natürlich nicht nur für Kurse unterwegs, sondern auch für Fototermine und freie Projekte. Letzteres wird mich dieses Jahr u.a. bis nach Afrika bringen und ich blicke diesem kleinen Abenteuer mit ein wenig Angst und viel Vorfreude in den Augen entgegen. Ein Ziel, das dir keinen Respekt einflößt, ist meiner Meinung nach zu klein. Ziele sollten kein Ausflug mit Cocktails, sondern Meilensteine sein. Wachstum ist schließlich kein Spaziergang. Es benötigt Ausdauer, Kraft und Leidenschaft. Wichtig ist, das neben der kleinen Angst, die du beim Gedanken daran empfindest, auch ein großer Funken Vorfreude ist – denn das hält dich am Laufen. Auf dem Plan stehen zudem noch weitere eBooks und Lernvideos, die ich dir versprochen habe. Das ist ganz schön viel Verantwortung. Je größer man wird, desto höher werden auch die Ansprüche und desto genauer schauen die Neider auf deine Finger. Das musste ich in den letzten Wochen auch bitterlich erfahren. Leute wenden sich ab oder wollen nur mit dir arbeiten, weil du ihnen Mehrwert lieferst. Mein dickes Fell musste in diesem Winter nochmal deutlich stärker werden und einiges hinter den Kulissen ertragen, was sich aber niemals auf meine Produktivität auswirken durfte. Pläne mussten verändert oder komplett neu entworfen werden, wenn andere Profit aus deinen Konzepten schlagen – denn anstatt hinter dem Rücken zu reden oder zu hetzen, fokussiere ich meine Energie lieber darauf, neue Wege zu erschaffen. Mittendrin wartet im Sommer dann nicht nur ein Umzug auf mich, sondern auch mein Privatleben. Denn ja, das habe ich auch und ich habe mir für dieses Jahr trotz des wachsenden Terminkalenders vorgenommen, mehr Platz dafür einzuräumen. Deshalb wird es jetzt im Februar etwas ruhiger: Ich versuche nochmal durchzuatmen und es etwas langsamer angehen zu lassen, damit ich danach auch wirklich das Energiebündel sein kann, als das du mich kennst.

Also, wieso habe ich Angst und freue mich darauf? Ich habe Angst, weil ich viel zu verlieren habe. Das hatte ich eigentlich noch nie, deshalb ist diese Situation recht neu für mich. Ich habe viel Verantwortung und muss nicht nur den wachsenden Ansprüchen der Außenwelt gerecht werden, sondern auch (oder vor allem) meinen eigenen. Ich habe Angst, in die falsche Richtung zu gehen und Angst, Zeit zu verschwenden. Ich möchte so viele Dinge gleichzeitig machen und hoffe, dabei nichts zu vergessen. Ich habe Angst, die Menschen zu verlieren, die mir Energie schenken und denen ich so viel zu verdanken habe. Ohne ein paar von ihnen wäre ich nicht da, wo ich heute bin.
Aber ich habe auch Angst, dass ich aufwache und plötzlich alles endet. Das mein Terminkalender wieder Lücken hat und das ich tagelang keine Anfragen erhalte. Angst, das ich an mir und meinen Fähigkeiten zweifle, egal, wie weit sie mich getragen haben. Ich habe Angst, dass ich meine positive Energie verliere. Aber zum Glück ist die Angst vor dem Rückschritt ist viel größer als die Angst vor der Zukunft. Ich habe noch so viel vor und genau das ist der Grund, weshalb ich mich gleichzeitig darüber freue: Die Ängste, die ich habe, fliegen einem nicht einfach zu. Man erarbeitet sich ihre Umstände und geht Risiken ein, weil auf der anderen Seite noch so viel schönere Sachen auf einen warten.

Hast du auch ein Ziel, vor dem du Angst hast, aber auf das du dich gleichzeitig unendlich freust? Erzähl mir davon!

Jetzt werde ich den Sonntag auch mal genießen. Nichts tun. Und gucken, wie sich das so anfühlt, ohne ein schlechtes Gewissen dabei zu haben. Ich glaube, das wird schwierig .. :D Ich wünsche dir einen schönen, entspannten Sonntagabend! :)

Deine 

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Written by Carina Maiwald
Carina hat vor einiger Zeit ihr Herz verloren. Erst an Pferde, dann an die Fotografie. Ihre dritte Leidenschaft, das Reisen, fügt alles zu ihrer persönlichen Definition eines selbstbestimmten Leben zusammen. Ihre Fotografien sind preisgekrönt und erscheinen international in verschiedenen Medien, u.a. National Geographic und CNN. Im Jahr 2016 wurde sie gleich Zwei mal unter die "Top 10 Pferdefotografen weltweit" gewählt. Auf diesem Blog teilt Carina nicht nur ihre Texte und Fotos - sondern vor allem ihre Erfahrungen und Gedanken. Eine ausführliche Beschreibung findest du hier auf der "Über Carina"-Seite.