Romantik war nie mein Ding. Ich mag keinen Kitsch, keine Liebesfilme, keine romantischen Mädchenfotos. Ich hasse Valentinstag, ein Tag für Heuchler und die Blumenindustrie. Und ich hasse Liebeserklärungen. Wie verrückt es ist, dass die erste Liebeserklärung, die ich aus tiefstem Herzen loswerden wollte, eine Liebeserklärung an ein Land ist.

Island. Das Land, das mir alles gibt, wonach ich die letzten zehn Jahre meines Lebens gesucht habe. Ein Land, das einen mit offenen Armen empfängt und einem in manchen Momenten zuzuflüstern scheint, man möge doch hierbleiben und sich dieser Freiheit und dieser Leichtigkeit hingeben, die es einem hier oben, im rauen Norden, auf einem Silbertablett zu präsentieren scheint.
Leichtigkeit? Ohja. Das klingt mit Sicherheit seltsam und das ist es wohl auch irgendwie, wenn man an die raue Natur denkt, an die riesigen Weiten, die unbewohnt sind und daran, dass es die Isländer weiß Gott nicht immer leicht hatten oder immernoch haben. Was mich gleich zu Beginn meines ersten Islandaufenthaltes so überrascht hat, waren die Menschen – und der Umgang der Menschen miteinander. Natürlich ist es nicht immer leicht, das ist es nirgendwo. Aber die Isländer machen es sich leicht. Oder vielleicht versuchen sie auch nur, es anderen leichter zu machen. „Þetta reddast!“ – das bedeutet: „Wird schon irgendwie gut gehen!“ und portraitiert in gewisser Weise die Lebensart der Isländer. Und Lebensart bedeutet in diesem Fall gleichermaßen auch Lebenskunst, denn diese Offenheit, dieses vorurteilsfreie Begegnen und der Optimismus, haben für mich als Deutsche das Recht, als Kunst betrachtet zu werden.

Vielleicht fragt ihr euch jetzt, warum ich denn überhaupt hier bin, wenn ich anscheinend nur über Menschen und Landschaften schreibe. Und wenn ihr euch das fragt, dann habt ihr Recht damit, ich sollte mal die Kurve kriegen. Wenn ich etwas zu sehr ins Schwärmen geraten bin, tut mir das sehr leid. Wie gesagt – das ist eigentlich so gar nicht meine Art. Manchmal geht es aber nicht anders. So wie jetzt, wenn ich meine Island-Momente Revue passieren lasse und diese besonderen Begegnungen vor meinem inneren Auge abspielen lasse, die ich in der Art nur auf der nordischen Insel hatte – Begegnungen mit Menschen, besonders aber Begegnungen mit Pferden. Intime Momente auf weiten Flächen, kilometerweit keine Menschenseele.
Eins solltet ihr vielleicht wissen, damit ihr versteht, was ich mit „besonderen Momenten“ meine: die Pferde in Island leben quasi wie Wildpferde. Menschenkontakt Fehlanzeige. Das führt aber meiner Meinung nach auch dazu, dass die Pferde ganz anders auf Menschen zukommen. Irgendwie leichter. Freier. Neugierig und bestimmt, aber gleichermaßen distanziert und in dem sicheren Wissen, dass sie sich nur auf dem Absatz umdrehen müssen und mit wehender Mähne fort galoppieren können, viele Kilometer weit weg, um mich nie wieder zu sehen. Klingt verlockend, oder? Ist aber noch nie passiert.

Pferde voller Intensität und unbeschwerter Neugierde
Viele Stunden habe ich mit meiner Kamera auf Wiesen und zwischen Hügeln verbracht und einfach nur Pferde beobachtet. Pferde, die mir mit einer Intensität und unbeschwerten Neugier entgegen kommen, wie ich es in Deutschland niemals für möglich halten würde. Da gab es Momente, in denen ich minutenlang Blickkontakt mit den Pferden hielt und das Gefühl hatte, dass sie irgendetwas sehen, was Menschen nicht sehen können. Manchmal habe ich fast das Gefühl, ich müsse sie um Erlaubnis fragen, sie fotografieren zu dürfen, so selbstsicher und stolz und wild wie sie da vor mir stehen. Sie wissen: dieses Land gehört insgeheim ihnen. Und ich bin dankbar dafür, dass sie mir immer wieder Einblicke in diese Welt gestatten und mich Momente miterleben lassen, in denen ich das Gefühl von Freiheit fast schon berühren kann, so greifbar ist es. Und manchmal, da möchte ich diese Momente auch gar nicht festhalten sondern einfach nur genießen. Sie mit niemandem teilen müssen. Dann habe ich die fliegenden Mähnen, die donnernden Hufe und diese besonderen Blicke der Pferde ganz für mich alleine.

 

Island ist ein zweites Zuhause für mich geworden. Die Menschen, die Pferde, diese Wildnis, die Kreativität und Energie Reykjavíks und das Gefühl, irgendwo zuhause zu sein und doch freier und ungebundener als ich es je zuvor war.

Dafür möchte ich einfach mal sagen: Takk, Ísland, Þú ert dásamlegur! (Danke, Island, du bist wunderbar!)

  

Gastbeitrag von: Anna Ibelshäuser
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Written by Carina Maiwald
Carina hat vor einiger Zeit ihr Herz verloren. Erst an Pferde, dann an die Fotografie. Ihre dritte Leidenschaft, das Reisen, fügt alles zu ihrer persönlichen Definition eines selbstbestimmten Leben zusammen. Ihre Fotografien sind preisgekrönt und erscheinen international in verschiedenen Medien, u.a. National Geographic und CNN. Im Jahr 2016 wurde sie gleich Zwei mal unter die "Top 10 Pferdefotografen weltweit" gewählt. Auf diesem Blog teilt Carina nicht nur ihre Texte und Fotos - sondern vor allem ihre Erfahrungen und Gedanken. Eine ausführliche Beschreibung findest du hier auf der "Über Carina"-Seite.